Die (amerikanische) Bankenkrise

Weltwirtschaft und sonstige attac-Themen

Re: AW:Dr. Harald Wozniewski.

Beitragvon Dr. Harald Wozniewski » 22.09.2008, 08:40

Leftthenand hat geschrieben:... Auch die Chaosforschung ist der Meinung das wenn man ein Kartenspiel nur lange genug mischt irgendwann einmal wieder die Ausgangsposition erreicht bei der von den Assen bis zur tiefsten Zahl die
Karten zufällig mal wieder in Reihenfolge liegen. - Aber der Wirtschaft und
den Finanzen kommt man mit dieser Theorie nicht bei. Denn niemand weiß
wie die Karten jemals in Ausgangsposition lagen.


Warum die Karten oder die Chaostheorie bemühen?! Spielen wir doch Monopoly! Das geht viel schneller. Da sehen wir, dass es immer dasselbe Ende nimmt: Einer gewinn alles und die anderen sind pleite. Mit Chaos hat das nichts zu tun!
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Beitragvon Zweckoptimist » 22.09.2008, 08:46

Hallo Dr. Wo.,

Sie schreiben
Dr. Wo. hat geschrieben:Ich halte das für totalen Unsinn! Den US-Bankern kann man nicht vorzuwerfen, sie hätten millionenfach leichtsinnig und hochriskant Kredite vergeben. Vor allem vor dem Hintergrund, dass es eine derartige Finanzkrise seit der Weltwirtschaftskrise der 1920er und 30er Jahre nicht gab. Ein solches Massenphänomen ist nur mit einer grundlegenden und massiven Verwerfung innerhalb einer Volkswirtschaft erklärlich, bei der die Mehrheit der Bevölkerung der Armut verfällt.

Ich bin mir nicht so sicher wie Sie. Die "leichtsinnige" Vergabe von Immobilienkrediten an relativ arme Eigentümer war nämlich definitiv auch eine politische Vorgabe. Damit sollte in den USA (aber auch anderswo, z. B. in GB) ein politischer Konsens der "Globalisierungsverlierer" mit den Gewinnern (den Beziehern von Kapitaleinkommen) erzielt werden. Das Konzept nannte sich "Eigentümergesellschaft". Dieses Konzept gaukelte den Globalisierungsverlierern vor, dass sie vielleicht einerseits als Arbeitnehmer verlieren mögen, aber andererseits als Eigentümer wieder gewinnen könnten und so unter dem Strich positiv dastünden. Es ist der "Trick", mit dem sich konservative Regierungen regelmäßig ihre Mehrheiten insb. bei den Mittelschichten abholten. Dumm nur, dass der Schwindel jetzt aufgeflogen ist. Mehr zu exakt diesem Thema gibt's von Naomi Klein bei Europa im Blick.

Viele Grüße
ZO
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Beitragvon Dr. Harald Wozniewski » 22.09.2008, 09:05

Zweckoptimist hat geschrieben:Die "leichtsinnige" Vergabe von Immobilienkrediten an relativ arme Eigentümer war nämlich definitiv auch eine politische Vorgabe.


Können Sie uns dafür eine Originalquelle im Internet zeigen?

Wenn nicht, auch nicht so schlimm. Ich selbst führe ja das Geschwätz unserer Politiker an, die Banken sollten bei der Kreditvergabe nicht so knauserig sein.

Aber das heißt ja nicht, die Banker hätten deshalb das Geld zu Fenster herausgeworfen. So aber müsste es gewesen sein, wenn man der gängigen Erklärung der Bankenkrise folgt.
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Beitragvon Zweckoptimist » 22.09.2008, 09:54

Hallo Dr. Wo.,

Dr. Harald Wozniewski hat geschrieben:Können Sie uns dafür eine Originalquelle im Internet zeigen?

Aber gerne doch:

Die US-Regierung hat geschrieben:...if you own something, you have a vital stake in the future of our country. The more ownership there is in America, the more vitality there is in America, and the more people have a vital stake in the future of this country."

-President George W. Bush, June 17, 2004

Unter dieser Quelle finden sich die zentralen ideologischen Achsen dieser Vorgabe:
* privatisiertes Gesundheitssystem
* individuelles Wohneigentum
* Steuererleichterung für Unternehmen
* finanzmarktgestützte Renten

Bei wikipedia gibt's dann noch weitere Zitate hierzu, z. B.:

wikipedia hat geschrieben:We're creating... an ownership society in this country, where more Americans than ever will be able to open up their door where they live and say, welcome to my house, welcome to my piece of property. - President George W. Bush, October 2004.


Der Papst der "Ownership Society" ist David Boaz. Seinem Essay kann man entnehmen, dass das Konzept der "Ownership Society" im wesentlichen auf Margret Thatcher zurückgeht:

David Boaz hat geschrieben:Just as homeownership creates responsible homeowners, widespread ownership of other assets creates responsible citizens. People who are owners feel more dignity, more pride, and more confidence. They have a stronger stake, not just in their own property, but in their community and their society. Geoff Mulgan, a top aide to British prime minister Tony Blair, explains, “The left always tended to underestimate the importance of ownership, and how hard it is for a democracy that does not have widespread ownership of assets to be truly democratic. …To escape from poverty you need assets—assets which you can put to work. There is a good deal of historical evidence…as well as abundant contemporary evidence, that ownership tends to encourage self-esteem and healthy habits of behaviour, such as acting more for the long term, or taking education more seriously."

Former prime minister Margaret Thatcher had that goal in mind when she set out to privatize Great Britain’s public housing. Her administration sold 1.5 million housing units to their occupants, transforming 1.5 million British families from tenants in public housing to proud homeowners. She thought the housing would be better maintained, but more importantly she thought that homeowners would become more responsible citizens and see themselves as having a real stake in the future and in the quality of life in their communities. And yes, she thought that homeowners would be more likely to vote for lower taxes and less regulation—policies that would tend to improve the country’s economic performance—and thus for the Conservative Party, or for Labour Party candidates only when they renounced their traditional socialism.

In dem von mir erwähnten Artikel auf Europa im Blick geht es nun darum, dass diese Ideologie jetzt vor den Trümmern ihres Irrwegs steht. Dies ermöglicht endlich wieder eine Re-Regulierung und eine Wieder-Vergesellschaftung öffentlicher Güter, welche die Ideologie der "Ownership Society" in den letzten Jahrzehnten zertrümmert hat. Und ja, das Ende der Ownership Society ermöglicht auch einen Wchsel der politischen Hegemonie, so dass Menschen, wenigstens ein Stück vom Wahn der individuellen Wohlfahrt durch Individualeigentümerschaft befreit, z. B. in ihren Wahlentscheidungen wieder andere Politikkonzepte zumindest tolerieren. Allerdings gilt das nur, wenn sie in der Zwischenzeit aufgrund des ununterbrochenen neoliberalen Trommelfeuers, dass "Politik der Feind ist, der alles schlimmer macht und bestenfalls sowieso nichts mehr bewirken kann", nicht generell ihren Glauben an politische Gestaltung verloren haben. Die aktuelle Bankenkrise zeigt nun allerdings, dass Regierungen, wenn sie denn nur wollen, sehr wohl riesige Räder drehen können: von Machtlosigkeit keine Spur. Genau darüber geht der letzte Artikel von Naomi Klein in Europa im Blick: einfach mal lesen!

Viele Grüße

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Beitragvon Terri » 22.09.2008, 15:07

Zweckoptimist hat geschrieben: Und ja, das Ende der Ownership Society ermöglicht auch einen Wchsel der politischen Hegemonie, so dass Menschen, wenigstens ein Stück vom Wahn der individuellen Wohlfahrt durch Individualeigentümerschaft befreit, z. B. in ihren Wahlentscheidungen wieder andere Politikkonzepte zumindest tolerieren.


Hi ZO,
es ist unmöglich dass die Menschen gegen den "Wahn(!) der Individualeigentümerschaft" handeln, also gegen eigenes Interesse handeln.

Es geht nicht um ein Ende sondern um eine gerechte Eigentümergesellschaft.
Die herrschende Kaste hat längst begriffen, dass sie aus den Bürgern eine Eigentümergesellschaft machen muss, wenn sie einen Crash vermeiden will.
Selbstverständlich möchte sie bei der anstehenden Änderung der gesellschaftlichen Verhältnisse in der Zukunft weiter über die Verteilung des BIP´s selbst entscheiden.
Dazu wollte sie bei diesen Wandel noch Gewinne einstreichen.

Die gleichen Versuche haben die Machtinhaber am Ende der Sklavenhaltergesellschaft unternommen und peu à peu die Lage der Sklaven ausgebessert.
Es hat nicht gereicht und der Feudalismus als neue Gesellschaftsordnung wurde eingeführt.

Als später der Feudalismus auch nicht mehr funktionsfähig wurde hatten die Feudalherren Erleichterungen und Änderungen eingeführt (Colbertismus).
Es hat nichts geholfen und der Kapitalismus wurde eingeführt.

Und dieser befindet sich jetzt in seiner Finalphase. Er funktioniert nicht mehr.
Die Kapitalisten sind am laborierten wie sie, mit Gewinn, eine Änderung selbst überstehen könnten.
Die Lösung war die Eigentümergesellschaft von Bürgern, die an die Banken lange Jahre gebunden werden.
Weil die Kapitalisten auch bei diesem Schritt nicht bereit waren (wie immer) auf Gewinne zu verzichten, ist es mit der Vergabe der Immobilienkrediten in den USA nicht gelungen eine Eigentümergesellschaft zu bilden sondern eine insolvente Schuldnergesellschaft, die ihr letztes Geld verloren hat..
Die Banken werden durch Steuergeldern, also vom fremden Geld, vom Geld der arbeitenden Bürgern, saniert.

Die Bezeichnung „Eigentümergesellschaft“ ist im diesen Fall nur ein Lockvogel.
Das Ziel ist richtig, aber in einer Situation in der es immer weniger normal bezahlte Arbeit und immer mehr Rentner gibt, der Weg dazu führt, nur über das Eigentum aller an der Umwelt. Jeder, der die Umwelt benützt, zahlt dafür in die bürgereigene Umwelt AG, von der jeder Bürger eine unveräußerliche Aktie lebenslang besitzt. (Terrismus)
So sind alle Bürger an allen Tätigkeiten direkt beteiligt und beziehen lebenslang eine Dividende.
Die garantiert eine ständige Nachfrage, denn ohne Nachfrage gibt es keine Produktion und dann bricht jedes gesellschaftliche System zusammen.

Gruß
T.
Wer die Wahrheit nicht kennt, ist nur ein Dummkopf.
Wer sie aber kennt, und sie eine Lüge nennt ist ein Verbrecher (Galileo Galilei)
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Aufblühende Freigeldwirtschaft oder Geldverknappung und Zins

Beitragvon initiative vernunft » 26.09.2008, 21:14


Aufblühende Freigeldwirtschaft oder künstliche Geldverknappungs- und Zinsknechtschaft?

Beschleunigter Zusammenbruch des globalen Finanzsystems


initiative vernunft verfolgt das Zusammenbrechen des zu hoch gebauten und mit allen Tricks abgestützten Finanz-Kartenhauses. Die wichtigste Frage lautet: Installiert die Menschheit endlich ein gerechtes und zinsfreies Geldsystem, das den Menschen (und nicht den pervertierten Profit) in den Mittelpunkt stellt?


Im aktuellen Moment der Wirtschaftsgeschichte hat die Menschheit es in der Hand, ob sie weiter in Zinsknechtschaft unter künstlicher Geldverknappung leiden oder in einer zinslosen Freigeldwirtschaft aufblühen will.

Machen Sie sich auf den Weg zu den Alternativen zum aktuellen Zustand, zur aktuellen "Wirtschaftsordnung", die dem Diktat des Zinses und der Dauerverschuldung unterliegt.

Interessant ist, dass H. Paulson als Ex-CEO von Goldman Sachs just dank der Krise es fertigbrachte, dass Goldman Sachs zusammen mit Merril Lynch (und neuerdings JP Morgan Chase) als eine der zwei verbleibenden, ehemals grossen Investmentbanken von der kürzlichen Marktbereinigung (Bankrotte von Northern Rock (UK), Bear Stearns, Lehman Brothers, AIG, Washington Mutual; Zusammenbruch der Mittelstandsbanken IKB und KfW in Deutschland, Beinahekollapse von UBS, HBOS u. a. m.) profitiert. Es ist keineswegs abwegig zu analysieren, hier laufe vor unseren Augen ein durch und durch organisiertes Verbrechen ab, das sehr gut vorbereitet und durchgezogen wurde. Die Subprime-Krise wurde gezielt als Falle für die anderen Marktteilnehmer ausgelegt. Wache Stimmen melden sich, dass der "700 Milliarden USD-Rettungsplan" für den "bailout" der Wallstreet dem Finanzminister die absolute Verfügungsgewalt über den US-amerikanischen Steuerzahler gibt, was einem Ermächtigungsgesetz gleichkommt. Der Plan sah im Entwurf keinerlei politische (demokratische) oder rechtliche Überwachung vor, was von den Gewinnern der eingefädelten Krise bewusst so vorgedacht war. Der Finanzminister (und seine Hintermänner) hätten freie Hand, zu welchen Preisen und Bedingungen sie die zahllosen Schrottwerte der angeschlagenen Spekulanten kaufen, verkaufen und vor allem wie oft sie diesen Vorgang wiederholen dürfen. Die USA und die mit ihr verbundenen G7- und weiteren Staaten laufen mit der Errichtung dieses "Rettungssplanes" akute Gefahr, in eine Hochfinanzdiktatur zu laufen mit anschliessendem teilweisen bis vollständigem Einzug der Vermögenswerte der breiten Bevölkerung. Die direkte Alternative zu einem solchen worst case "Rettungs"-Szenario für die Bürger und Steuerzahler ist die Schaffung einer Freigeldwirtschaft, die keine Zinsknechtschaft kennt. Eine solche Befreiung der vom Geld abhängig gemachten Menschheit aus der Zinsunterjochung stünde dem Machtkartell (von max. 1 Promille Anteil an der Bevölkerung) aber diametral gegenüber.

Vollständiger Bericht:
http://initiativevernunft.twoday.net/stories/5061064/

Redaktion initiative vernunft
http://initiativevernunft.twoday.net
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Unregelmässig erscheinende Beiträge zu Mensch und Mitwelt in gemeinsamer Zukunft

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Beitragvon Fabcaesar » 28.09.2008, 07:53

Hallo Initiative,

auf der Homepage lese ich gerade:
Freigeld ist umlaufgesichertes Geld, das frei vom Störfaktor Zins ist.


Da seid ihr euch mit anderen Freigeldinitiativen allerdings nicht einig, eher im Gegenteil. Die meisten Freigeldbefürworter wollen den Zins nicht abschaffen (wie auch?), sondern möchten lediglich die Möglichkeit schaffen, dass der Nominalzins uner 0% fallen kann.

Dann wärmt ihr die Mär von der glücklichen Brakteatenzeit wieder auf. schau mal hier Brakteaten, auch Wörgl wird dort behandelt und lies dir vielleicht mal den ganzen Thread durch.

Oh je, jetzt lese ich auch noch, dass ihr den Goldstandard befürwortet. Schau dazu mal ab hier Goldstandard

Gruß
Fabcaesar
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Beitragvon yvette8847 » 02.10.2008, 08:09

Die Bankenkrise ist ja nicht plötzlich gekommen. Die ersten Anzeichen dafür gab es schon im Mai 2007 wenn nicht noch früher. Bis jetzt konnten findige Buchhalter die Zahlen noch so darstellen dass keine Probleme sichtbar waren aber irgendwann funktioniert auch das nicht mehr und deswegen sind wir jetzt da wo wir sind.
Ich weiß, dass ich intelligent bin denn ich weiß, dass ich nichts weiß. - Sokrates
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Beitragvon Dr. Harald Wozniewski » 02.10.2008, 10:37

Die Maßnamen, die zurzeit anvisiert werden, insbesondere die Zugabe von neuem Geld (= US-Regierung kauft für 700 Mrd. $ "faule" Kredite UND/ODER die Zentralbanken senken die Zinsen) kann die Abwärtsentwicklung nicht aufhalten, sondern bestenfalls verzögern. So ist das mit allen "Konjunkturprogrammen" http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/ko ... gramme.htm

Auch das Gegenteil, mit mehr "Regulierung" die Kreditvergabe zu drosseln, hilft nicht. Denn dann brechen (zwar nicht die Banken, aber) andere Zweige der Volkswirtschaft zusammen, z. B. die Bauwirtschaft. Wären in den letzten zehn Jahren in den USA deutlich weniger Kredite vergeben worden, dann wäre dort genau das passiert.

Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen, Wenn wir die Nilpolitik http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/nilpolitik.htm in Deutschland und wenn die Amis die Nilpolitik bei sich nicht beenden, dann kommt der Crash. Achtung Werbung für meinen Freund: Max Otte, Der Crash kommt, 2006.
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Beitragvon Zweckoptimist » 02.10.2008, 11:23

Hallo Dr. Wo.,

schön dass Sie sich wieder melden. Bei Ihrem Beitrag schlagen ("ach") zwei Herzen in meiner Brust:

1.) Je nach eigener Perspektive lassen die derzeitigen Rettungsmaßnahmen unterschiedliche Interpretationen zu. Zum einen kann man die als riesigen Raubritter-Plünderzug begreifen, bei dem wir - die Geschädigten - in Schockstarre verharren, während US-Finanzminister Paulson seinen Buddies aus den früheren Investementbanken nochmals als Abschiedsgeschenk einige Billionen Dollar zuschanzt. Man kann die aber auch als einen mehr oder weniger verzweifelten Versuch verstehen, irgendwie doch noch aus dem Schlamassel rauszukommen. Wir sollten nicht übersehen, dass in den letzten 30 Jahren ständig große Finanzmarktkrisen vorkamen, angefangen bei der "Savings and Loans-Krise", die letztendlich durch Interventionen doch alle "irgendwie" auch wieder vorübergegangen sind.

2.) Frenetischen Beifall bekommen Sie aber von mir für Ihre Forderung, die Nilpolitik (kann man auch "Neoliberalismus" nennen, wenn man möchte) "von uns und bei uns in Deutschland " und "von den Amis in den USA" zu beenden. Das zeigt doch ganz klar, dass eben nicht, wie von Steinbrück vorgeschlagen, von oben nach unten gekehrt werden muss, also erstmal Monate vertrödeln bei der "internationalen Regulierung der Finanzmärkte", ehe dann "zu Hause" eine Besserung eintritt. Ihr Forderung zielt auf die "echte Quelle" der Finanzmarktkriese ab. Woher nämlich kam denn der Treibstoff, der diesen Exzess überhaupt am Laufen hielt? Natürlich kommt der durch massive Umverteilung innerhalb der einzelnen Länder: "Lohnmoderation", Privatisierung der Renten, Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen, "Verringerung der Staatsquote", das sind doch alles nur "Labels" für die Enteignung der Bevölkerungsmehrheit zugunsten einer winzigen Elite von Begünstigten, von Ihnen "Meudaleliten" genannt - und zwar unabhängig davon, wie man die technischen Einzelheiten dieses Vorgangs genau interpretiert.

Die Finanzkrise bzw. der absehbare Wirtschaftskrise (wenn nicht dieses Mal, dann halt das nächste oder übernächste Mal) kann deshalb in der Tat nur verhindert, der Sumpf kann nur dann trocken gelegt werden, wenn auf jeweils nationaler Ebene die gigantische Umverteilung beendet wird, und die Zufuhr von Unmengen an frei floatierender Liquidität in den Händen derjeniger, die das als Spielgeld einsetzen können, abgeschnürt wird, die Quelle, die aus Enteignung gespeist wird, also versiegt.

Das sollte unser gemeinsamer Kampf sein.

Viele Grüße

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Beitragvon Dr. Harald Wozniewski » 02.10.2008, 12:01

Richtig!

Und wenn ganz attac deutschland, frankreich usw. da mitziehen würde, wäre das ein riesen Fortschritt.
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Gegenöffentlichkeit schaffen

Beitragvon Zweckoptimist » 02.10.2008, 12:47

Ach Dr. Wo.,

wenn es denn so einfach wäre. Was mein Engagement bei attac in den letzten Monaten erlahmen ließ, das ist die dort sehr stark anzutreffende Haltung der Eurozentrik (ich selbst war ja auch einer der glühendsten Anhänger davon): alles muss irgendwie transnational geregelt werden, weil "auf nationaler Ebene geht ja nix mehr". Eine Auswirkung dieser Eurozentrik ist ja insb. der attac-Forderungskatalog zur Finanzkrise, der die Quelle der Finanzkrise mit keiner Silbe erwähnt, sondern lediglich auf "den See" Ihres Nils eingeht: den Kapitalmarkt selbst. Entsprechend sehen dann halt auch die Forderungen aus:

Effektiven Finanzmarkt-TÜV einführen!
Die Zocker müssen selber zahlen!
Steueroasen schließen!
Finanztransaktionssteuer einführen!

Das ist alles richtig, aber es lenkt eben doch den Blick von der Quelle ab.

Mit Blick auf Südamerika scheint es mir allerdings leider so auszusehen, dass man sich das Zusammenspiel zwischen "sozialen Bewegungen im Allgemeinen" und den Strukturen auf formal-politischer Ebene doch genauer anschauen muss. Also: trotz aller Politik(er)verdorssenheit muss man sich auch um die ganz profane legislative und administrative Umsetzung der für richtig erkannten Änderungen kümmern. Und dazu sind in parlamentarischen Systemen blöderweise halt doch Wahlsiege derjenigen erforderlich, die dann neue Politiken umsetzen. Und damit bevorzugt diejenigen gewählt werden, die das machen (oder die Gewählten eine andere Politik machen), ist halt ein "Hegemoniewechsel", ein neuer "Zeitgeist" erforderlich.

Ich glaube, das ist genau der Punkt, an dem man ansetzen muss. Wenn die sichtbare öffentliche Stimmung (=die Hegemonie, der Zeitgeist) eine Rückverteilung der neoliberalen Beute fordert, dann werden sogar die Funktionäre der CDU - schon aus reinem Selsbterhaltungstrieb - eine andere Politik machen müssen (in diesem Zusammenhang dürfen wir möglicherweise auf die Politik Seehofers in Bayern gespannt sein). Also muss man "unseren" Politikansatz öffentlich sichtbar machen. Ich denke herbei z. B. an die engere Zusammenarbeit von Internet-Blogs u. ä. (z. B. in Form gemeinsamer Artikel, und nicht nur der gegenseitigen Verlinkung), um eine wirksamere, sichtbarere Gegenöffentlichkeit aufzubauen, um die auch der Mainstream nicht mehr herumkommt, wenn er sich nicht vollends lächerlich machen will, was ihn dann auch bei den Leserzahlen treffen würde.

Viele Grüße
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